Lokomotive, Motivator und Antreiber – GFGH-Nachfolger gesucht

Anfang März fand der „Kommunikationstag mit Vorträgen“ der GFGH-Delegiertenversammlung im Münchener Hilton-Hotel am Park statt, mit extrem positiver Resonanz. Rund 530 Teilnehmer erlebten einem souveränen Gastgeber und motivierte GFGH-ler. Sie waren gutgelaunte Gesprächspartner der Getränkeindustrie. Unter den Vorträgen ragte besonders Prof. Dr. Markus Zeller mit seinem Thema „Bierige Wertschöpfung in und mit der Gastronomie- ein Perspektivenwechsel“ hervor. Das zentrale Thema vor den Präsentationständen der Hersteller war: „Wohin entwickelt sich der Getränkefachgroßhandel, und im Besonderen, was passiert mit ihm, wenn es in zwei Jahren keinen Günther Guder (auf dem Foto re. – mit Carl Glauner li.) mehr als Lokomotive, Motivator und Antreiber gibt?“. Dazu drei Meinungen namhafter Brauer:
Carl Glauner (Alpirsbacher Klosterbräu Glauner GmbH & Co. KG): „Da wir fast ausschließlich über den GFGH verkaufen, sind wir natürlich auch auf seine Marktstärken und seinen Überlebensfähigkeit angewiesen. Einer der Voraussetzungen, dass der GFGH als starke Gruppe die Interessen seiner Mitglieder weiterhin vertritt, ist ein fähiger und durchsetzungsstarker Verbands-Geschäftsführer. Dies ist seit vielen Jahren mit Günther Guder der Fall. Seine Aufgabe und die Aufgaben seines Beirats sind es, eine ebenso qualifizierte Nachfolge zu finden. Wir, d.h. besonders die familiengeführten Getränkeproduzenten, wünschen „GG“ und seinem beratenden Team dabei ein glückliches Händchen.“
Jeff Maisel (Brauerei Gebr. Maisel KG): „Der GFGH ist das entscheidende Bindeglied zwischen Getränkeherstellern und den Kunden in Gastronomie und Handel. Diese Bedeutung wird er auch in Zukunft behalten. Gefahren drohen allenfalls von politischer Seite, zum Beispiel im Hinblick auf das Mehrwegsystem. Der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels, in persona Günther Guder, steht für eine starke mittelständische Getränkewirtschaft. Durch engagierte Sacharbeit auf nationaler und europäischer Ebene sowie politische Lobbyarbeit werden die Interessen des Verbandes erfolgreich vertreten. Als Vermittler zwischen Industrie-, Handels- und Gastronomieverbänden und -partnern gelingt es ihm immer wieder, einen Konsens im Sinne aller Beteiligten herzustellen. Günther ist ein ausgesprochener Netzwerkspezialist und wir vertrauen sehr darauf, dass er rechtzeitig einen gut geeigneten Nachfolger finden wird. Sicherlich hat er sein Netz bereits ausgeworfen.“
Michael Weiß (Meckatzer Löwenbräu Benedikt Weiß KG): „Günther ist natürlich eine starke Persönlichkeit und wenn so jemand von Bord geht, wird kein Nachfolger vom Start weg die gleiche Durchschlagskraft haben. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen rechtzeitig mit der Nachfolge beschäftigen und sich in jedem Fall für eine starke Persönlichkeit entscheiden. Ein starker, herstellerunabhängiger GFGH ist sowohl für Handel und Gastronomie, wie auch die mittelständischen Brauereien essentiell, denn nur dann kann die für Verbraucher so wichtige Vielfalt des Angebots sichergestellt werden. Dort, wo Märkte hoch konzentriert sind, gibt es keine Vielfalt des Angebots und wo diese Vielfalt fehlt, gibt es keine Kultur – Monokultur ist Unkultur! Monokultur ermöglicht den wenigen verbliebenen Marktteilnehmern zwar fantastische Renditen – auf der Strecke bleibt allerdings das Gemeinwohl (Wegfall Arbeits- und Ausbildungsplätze, Renditen der Zulieferer etc.). Letztlich leidet die gesamte Gattung, weil Bier langweilig wird.“
Die Fortsetzung der Tagung in Berlin findet in einem Jahr an gleicher Stelle statt. Dann kommen drei prominente, meinungsbildende Getränkefachgroßhändler zu Wort und vielleicht schon die Vorstellung des „GG“- Nachfolgers. – R.R.KNUT
GFGH diskutiert über Digitalisierung, bierige Wertschöpfung in Gastronomie und Trends
360 Manager und Unternehmer aus der Getränkeindustrie und dem Handel hatten sich angemeldet zum „Kommunikationsmorgen“ am zweiten Tag der GFGH-Delegiertenversammlung im Hilton Munich Park Hotel am 10. März 2017. Dazu lädt der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V. (BGFGH) unter seinem amtierenden Geschäftsführenden Vorstand Günther Guder traditionell Experten und kreative Köpfe ein, um Impulse und Strategien für die Getränkebranche zu vermitteln. Das ist notwendig: Der Getränkefachgroßhandel trat im Jahr 2016 umsatzmäßig auf der Stelle. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es ein reales, also preisbereinigtes Umsatzminus von 5,1 Prozent im Dezember 2016 und das Jahr 2016 schloss somit für den Getränkefachgroßhandel mit einer „Nullnummer“ ab. Nominal, also in jeweiligen Preisen, kann ein kleines Plus von 0,7 Prozent heraus. Aus eigenen Erhebungen des Verbands führt allerdings die anhaltende Tendenz zu Firmenkonjunkturen zu teilweise erheblich anderen Ergebnissen als die Durchschnittsbetrachtung der Statistiker aus Wiesbaden.
Prof. Dr. Markus Zeller referierte auf der Tagung daher passend über “Bierige Wertschöpfung in und mit der Gastronomie – ein Perspektivenwechsel”. Der Gastronom und Inhaber der Union-Brauerei in Bremen, aktueller Professor für Systemgastronomie an der Hochschule Heilbronn und ehemaliger Vertriebsmanager, brillierte mit Erfahrung und praktischen Beispielen über die vergebenen und möglichen Chancen, die klassische und Craft-Biere für die Gastronomie bieten. Leidenschaftlich ermutigte er die Zuhörer zu mehr Preis- und Sortimentsdifferenzierung bei klassischen und insbesondere Craft-Bieren und die Preispositionierung für Bier in der Gastronomie neu zu überdenken. Craft-Biere seien zwar kein Allheilmittel für mehr Wertschöpfung in der Gastronomie, jedoch ein guter Katalysator und eine Chance. Harald A. Summa (Foto), der über “Digitale Transformation: Was habe ich damit zu tun? – Hintergründe und Entwicklungstendenzen einer unvermeidlichen Entwicklung” referierte, gab die Antwort vorweg: „Wir alle haben und bekommen es mit der Welle der Internetwirtschaft zu tun.“ Eindringlich machte der Geschäftsführer des eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., und Vorstandsvorsitzender des weltweit größten Internet-Austauschknotens DE-CIX in Frankfurt am Main und Berater beim Bundes- und NRW-Ministerium deutlich, dass bereits heute Infrastruktur, Services, Anwendungen und Prozesse bis hin zum bargeldlosen Bezahlen von der Internetwirtschaft durchdrungen sind. Wer zum Beispiel Amazon immer noch für ein reines Bestellportal halte, verkenne, dass dieser Internetriese bereits in allen Prozessstufen globaler Player sei. Insofern müssten sich die Getränkewirtschaft und der Getränkehandel schnellstens positiv auf diese Entwicklung einlassen, sonst würden sie von der digitalen Welle verschluckt. Bernd Hüsch, seit 1978 geschäftsführender Partner der Huesch & Partner Logistikberater in Köln, setzte mit seinem Vortrag “Digitalisierung – ein Schlüssel zum Überleben in der Getränkewirtschaft” gleichsam das Plädoyer seines Vorredners fort, die Digitalisierung der Geschäftsprozesse dringend zu intensivieren und zu entwickeln. Referentin Sylvia Kopp, Autorin, Biersommelière und seit 2015 Botschafterin der US-amerikanischen Brewers Association für amerikanisches Craft-Bier in Europa berichtete abschließend anschaulich über die rasante Entwicklung der Craft-Biere in den USA. Mehr Mut zu innovativen Produkten wünscht sich die Bierexpertin auch für die deutschen Brauer.
Die nächste Delegiertenversammlung findet am 22. und 23. Februar 2018 im Maritim Hotel Berlin statt. Vielleicht kann Guder dann schon seinen möglichen Nachfolger schon präsentieren, wenn er – wie angekündigt – 2019 aufhört. -gg/hlw

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