Weinernte Spanien 2018 verspricht volle Keller und Weintourismus

Ein ungewöhnlich kühler und qualitativ nicht überall ganz einfacher Jahrgang sorgt für volle Keller im Weinland Spanien. Die 2018er Lese wird wohl vielen Winzern im Gedächtnis haften bleiben, denn so spät wurde lange nicht mehr geerntet. Noch stehen die offiziellen Zahlen aus, aber schon jetzt ist klar, dass Spanien eine große Ernte eingefahren hat. Man spricht von rund 47 Mio. Hl. und der größten Ernte seit 2013. Die Erleichterung ist einerseits aller Ortens groß, denn die Stocks waren auf Grunde der sehr knappen Vorjahresernte in einigen Anbaugebieten auf historische Tiefststände zurückgegangen. Qualitativ gesehen gab es andererseits sehr große Unterschiede von Region zu Region. Während sich Altkastilien, Teile des südlichen Zentrums und auch die Extremadura sowie Andalusien mehr als zufrieden zeigen, kostete die Lese in anderen Teilen des Landes viel Zeit und Mühe. Schlussendlich konnte die Rioja ein gutes Ergebnis erzielen, der Frühherbst zeigte sich von seiner besten Seite und das große Volumen von geschätzten 330 Mio. L beruhigte die Produzentenseite am Ebro. Nichtsdestotrotz zeigte sich das Qualitätsniveau so heterogen wie schon lange nicht mehr. Während die Rioja Baja erstklassiges Traubengut meldete, präsentierte sich die Situation an den niederschlagsreicheren Abschnitten im Nordwesten nicht ganz so unkompliziert. Für die Winzer am oberen Ende der 65.000-Hektar-Appellation ist eine komplizierte und arbeitsaufwendige Lese nun aber beendet.
Weintourismus in der Rioja
Das spanische Weinanbaugebiet Rioja zählt zu den attraktivsten Weinlandschaften Iberiens und ist auf Grund ihrer Größe außerordentlich vielseitig. In der uralten Kulturlandschaft am Ebro wurde das erste Manuskript in altkastilischer Sprache verfasst und der Jakobsweg durchläuft hier, gesäumt von Baudenkmälern und malerischem Rebland, eine seiner schönsten Etappen. Drei spanische Regionen gehen am oberen Ebro ineinander über. Das baskische Nordufer mit seinem steil ansteigenden Kalkgebirge, welches als Wetterscheide für grandiose Wolkengebilde sorgt, das riojanische Südufer mit seinen zunächst sanft ansteigenden Hängen, auf denen sich das Grün der Rebzeilen von den roten Lehmböden abhebt, sowie die tief ins alte Königreich Navarra hineinreichenden, niederschlagsarmen Senken des Südostens. Trotz der imposanten Bergketten, zwischen denen sich der Fluss so malerisch entlangwindet, strahlt das Anbaugebiet stets eine erhabene Weite aus. Sehenswert sind auch die vielen historischen Winzerdörfer mit ihren massiven Adelspalästen und Bürgerhäusern. Ein Kleinod ist Laguardia auf der baskischen Seite. Das Städtchen thront hoch oben auf einem dem kantabrischen Gebirge vorgeschobenen Bergrücken und trägt mit seiner Stadtmauer und den trutzigen Wehrkirchentürmen den klangvollen Namen „die Wacht“. Und wer das Ganze in urbanem Flair genießen will, muss unbedingt in der Gebietshauptstadt Logroño einen Stop einlegen.